Noch immer gibt es Mythen rund um den Wein, die sich hartnäckig in den Köpfen halten.

Erfreulicherweise genießen immer mehr Menschen in Deutschland Qualitätswein. Aber auf der anderen Seite schwirren noch sehr viele Weinirrtümer und Gerüchte rund um den Wein herum, die verwirren und verunsichern. Heute möchte ich mit ein paar Wein Mythen aufräumen.

„Rotwein und Käse passt immer zusammen“

Rotwein und Käse passt zusammen, aber nur in wenigen Fällen. Im Hartkäsebereich, zum Beispiel zum reifen Bergkäse oder Klassiker wie Parmigiano Reggiano, ist ein Glas Rotwein eine wunderbare Wahl. Bei den anderen Käsearten wie Weichkäse, halbfeste Schnittkäse oder reife Frischkäsesorten, sieht das allerdings ganz anders aus. Diese Sorten machen auf einem klassischen Käseteller zwei Drittel aus, aber hierzu passt selten ein Rotwein. Der Genuss kommt hier in der Kombination mit Weißwein. Rotwein ist oft der go-to Wein für Käseplatten. Da dieser aber fast immer über Gerbstoffe (Tannin) verfügt und Gerbstoff und Eiweiß nicht unbedingt eine gute Kombination sind, ist er nicht zwingend die ideale Wahl. Weißwein hingegen verfügt selten über besagte Gerbstoffe und ist tendenziell die bessere Wahl für Käseplatten. Meine persönliche Faustregel: Rotwein zu Hartkäse, Weißwein geht immer.

„Weißwein muss jung und Rotwein alt getrunken werden.“

Es gibt keinen wirklichen Grund, warum Rotwein besser altern soll als Weißwein. Diese Aussage hat sich dennoch in die meisten Köpfe eingebrannt. Beide Arten von Wein entstehen aus einer Weintrauben und haben bis auf den Gerbstoff-Anteil exakt die gleichen Inhaltsstoffe. Sprich, Säure, Zucker, Extrakt, Mineralik und natürlich auch Alkohol. Und genau diese Inhaltstoffe benötigt jeder Wein, egal ob Rot oder Weiß, in der richtigen Balance, um reifen zu können. Je mehr davon zur Verfügung steht, und je intensiver das Weingut dafür gearbeitet hat, dass die Weine alles mit auf den Weg bekommen, was einen guten Wein ausmacht, desto schöner können die Weine reifen.

Leider werden Weißweine immer noch etwas stiefmütterlich behandelt, was ich persönlich sehr schade finde. Die besten Weine dieser Welt sind Weißweine und können genauso, wenn nicht sogar noch besser, altern wie Rotweine. Also gerne mal einen etwas reiferen Weißwein kaufen und genießen. Sie werden feststellen, dass es sehr viel mehr Freude bereitet. Oder auch einfach mal einen Weißwein recht jung kaufen, weg legen und sich in ein paar Jahren freuen, dass man so viel Geduld hatte!

„Rotwein sollte immer bei Zimmertemperatur getrunken werden“

Würden wir noch im späten Mittelalter leben und die durchschnittliche Zimmertemperatur sich zwischen 16-18 Grad Celsius bewegen, wäre das eine absolut richtige Aussage. Gott sei Dank ist das aber nicht mehr so und wir genießen eine gemütliche Zimmertemperatur, in der Regel knapp über 20 Grad. Früher konnte man den Rotwein im „Wohnbereich“ lagern und wusste, wenn man ihn öffnet, hat er eine schöne Trinktemperatur. Gleiches galt beim Weißwein. Man holte diesen aus dem Gewölbe-Steinkeller, der im Schnitt 12 Grad Celsius hatte, und somit auch der Weißwein eine ideale Trinktemperatur hatte. Das ist heute natürlich anders und somit muss diese Aussage angepasst werden.

Faustregel: Rotwein zwischen 14-18 Grad Celius, und Weißwein zwischen 10-14 Grand Celius ist eine gute Trinktemperatur. Leider wird meist der Rotwein viel zu warm und der Weißwein eiskalt getrunken. Was beiden Arten nicht zugute kommt.

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