Wer hat’s erfunden?

Oft wird auch heute noch dem in, der Weinwelt sehr berühmten, Mönch Dom Perignon die „Geburt des Champagne“, und somit der Schaumweine allgemein nachgesagt. Doch dies beruht eher auf einem Märchen, als dass der Schaumwein wirklich durch den Geistesblitz einer einzelnen Person „erfunden“ wurde.

Die Tatsache, dass wir heute Schaumweine wie Champagne, Winzersekt oder Crémant genießen können, verdanken wir einem langen Evolutionsprozess. Es spielten viele Ereignisse zusammen, und die liebe Mutter Natur tat ihr übriges. Die „Geburt“ der ersten Schaumweine in der französischen Region Champagne kann man heute ungefähr um das Jahr 1750 zurück datieren.

Wie der Zufall es will

In dieser Zeit wurde Wein mehr und mehr statt in Fässer in Flaschen abgefüllt. Dadurch konnte der Wein besser gelagert und transportiert werden. Der damals stille, leicht rötliche und ziemlich säuerliche Wein aus der Region Champagne war ziemlich berühmt. Der Handel florierte und die Weine fanden vor allem begeisterte Abnehmer in England.

Durch die sehr kalten Winter der nördlichen französischen Region Champagne wurde der Gärungsprozess des Weines auf natürlich Art quasi zwangsgestoppt. Ohne, dass man es wusste, füllte man die Weine halbvergoren in Glasflaschen anstelle von Holzfässern. Bis dahin war es kein Problem, dass die Weine nie ganz fertig vergoren waren, weil bei Holzfässern die Gärung im Frühjahr bei steigenden Temperaturen einfach von alleine wieder weiter ging. Nun wurden aber die Weine in Glasflaschen gefüllt, und nicht mehr in Holzfässer. Außerdem dauerte eine Auslieferung in der damaligen Zeit gut und gerne ein paar Monate, sprich bis eben ins Frühjahr hinein. Und es passierte was passieren musste: Durch die wärmeren Temperaturen im Frühling, verstärkt durch die Bewegung auf den Kutschen, begann auch in der Flasche der Wein wieder zu gären. Dadurch entstand neben Alkohol auch Kohlensäure in der Flaschen. Der erste Schaumwein der Welt war geboren!

Aller Anfang ist schwer

Die „Geburt“ des Schaumweines erfreute aber nur die wenigsten. Abgesehen von der Tatsache, dass die Kunden in England erst einmal dachten, dass man sie mit dem schäumenden Wein vergiften möchte, gab es ein weiteres Problem: Durch die natürliche, aber unkontrollierte Gärung schäumte es in der Flasche so stark, dass die damals recht schwachen Flaschen unter dem Druck zerborsten. Man schätzt heute, dass im ganzen 18. Jh. gerade einmal ein paar tausend Flaschen jährlich produziert wurden. Von diesen paar tausend Flaschen hat es etwa die Hälfte der Flaschen zerrissen.

Gut Ding will Weile haben!

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis die sogenannte zweite Gärung richtig verstanden wurde. Tatsächlich brachte ein junger Apotheker aus Châlons-sur-Marne, André Francois, die Formel für eine kontrollierte zweite Gärung als erster zu Papier. Auf Grund dieser Formel konnten die Kellermeister ihre Zuckerzugabe besser bemessen, ohne eine „Explosion“ der Flasche zu verursachen.

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