Was macht einen Wein überhaupt „unsterblich“ bzw. alterungsfähig?

Wenn man diese Frage beantwortet hat, stellt man recht schnell fest: In Bordeaux ist einiges wenn nicht alles davon erfüllt, und das seit mehreren Jahrhunderten. Vieles davon ist Zufall, oder zumindest einen bis vielen glücklichen Nebeneffekten zu verdanken. Umso beeindruckender, dass der Ruhm und das Prestige von Bordeaux Weinen heute noch Bestand hat.

Ein gutes Rückgrat ist entscheidend

Nehmen wir als Beispiel die berühmten Rotweine aus dem Bordeaux. Rotweine brauchen, um alterungsfähig zu sein, ein gutes Rückgrat. Dieses Rückgrat ist bei Rotwein maßgeblich das Tannin (Gerbstoff). Die Rebsorten, allen voran der Cabernet Sauvignon, der in Bordeaux schon seit Jahrhunderten wächst, haben von Natur aus mehr Gerbstoff. Übrigens: Es wird angenommen, dass bereits römische Legionäre die Rebsorten angesiedelt haben. Hinzu kommt, dass Bordeaux sehr früh in der Geschichte einer der wichtigsten Handelspunkte weltweit war.

Winzer erkannten ihren eigenen Wein nicht

Ein wichtiges Ereignis war im Jahre 1152 die Eheschließung Eleonore von Aquitaniens mit dem Herzog Heinrich Plantagenet, dem späteren König Henry II von England. Durch diese Ehe und dem damit verbundenen Weinhandel, wurde die Region zur unangefochtenen Nummer eins. Schon früh wurden Weine in Holzfässern für den Transport auf dem Schiffsweg gefüllt. Vor allem Kunden aus England bemerkten, dass der im Holzfass transportierte Wein haltbarer wurde und verlangten nach dieser Qualität. Winzer aus Bordeaux, die zum Beispiel ihre hanseatischen Kunden besuchten, erkannten ihre eigenen Weine auf Grund positiver Veränderung nicht mehr.

Der Golfstrom macht den Unterschied

Aber nicht nur die Rebsorten die angepflanzt wurden, oder der schon frühe Einsatz von Holzfässern machten die Bordeaux Weine so extrem langlebig. Hinzu kommen noch die idealen Boden- und Klimabedingungen des Bordeaux. Vor allem die Nähe zum Atlantik mit dem warmen Golfstrom sorgt für optimale Bedingungen. Es gibt dadurch kaum extreme Schwankungen in der Temperatur. Außerdem sind die Böden sehr vielfältig, da das Gebiet sehr weitläufig ist. Nicht zu unterschätzen sind auch die ausgedehnten Wälder rund um Bordeaux. Sie schirmen die Weine vor starken Stürmen vom Meer ab.

Süßweine die eigentlichen Stars

Man sieht anhand des Beispiels der berühmten Rotweine aus Bordeaux, dass in diesem Gebiet vieles zusammen gespielt hat was der Region den Ruhm der langlebigsten Weine der Welt eingebracht hat. Und das zu Recht! Die Weine waren und sind auch heute noch extrem langlebig.

Ach und übrigens, im 18. Und 19. Jahrhundert waren im Bordeaux vor allem edle Süßweine (Sauternes) die eigentlichen Stars des gesamten Gebiets. Legendär ist die Süßweinflasche aus dem Sauternes vom Château d‘Yquem von 1787, welche einst im Besitz des amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson war.